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Ansprache von Elder Ballard

Pflicht, Lohn, Gefahr

Elder M. Russell Ballard
Vom Rat der Zwölf Apostel

Konferenzansprache vom 30. September 1989

„Die zukünftigen Missionare und ihre Eltern haben keinen einzigen Grund zur Angst und zur Befürchtung, eine Mission könne ungewöhnlich gefährlich oder riskant sein.”

Liebe Brüder und Schwestern, seit der Frühjahrs-Generalkonferenz ist es vorgekommen, dass sich einige unserer Missionare in zunehmend schwierigeren Umständen befunden haben. Als Berater der Gebietspräsidentschaft für das nördliche Südamerika war ich genauso traurig wie gewiss auch Sie, als ich hörte, dass zwei glaubenstreue Missionare, nämlich Todd Ray Wilson und Jeffrey Brent Ball, in Bolivien umgekommen sind. Der Tod dieser beiden rechtschaffenen jungen Männer, die im Dienst des Herrn standen, ließ alle Mitglieder der Kirche trauern. Wir trauern auch um andere Missionare, die im Laufe dieses Jahres an einer Krankheit gestorben oder durch einen Unfall ums Leben gekommen sind.

mormon missionaryDie Trauer über den Tod eines jeden glaubenstreuen Missionars lässt sich mit den folgenden Worten lindern, die vom Herrn selbst stammen: „Und wer das Leben lässt in meiner Sache, um meines Namens willen, der wird es wiederfinden, nämlich ewiges Leben.” (LuB 98:13) Wir möchten allen Eltern, Angehörigen und Freunden der Missionare, die ihr Leben im Dienst für den Herrn verloren haben, versichern: Wir lieben Sie, wir sind dankbar für Sie, und wir beten darum, dass Sie Trost und Frieden finden.

Präsident Steven B. Wright von der Mission La Paz in Bolivien hat mir gestattet, von einem besonderen Traum zu erzählen, den er gehabt hat: „Ich sah die beiden Missionare ganz in Weiß gekleidet an der Tür eines herrlichen Gebäudes stehen. Sie begrüßten zahlreiche andere Menschen, die ebenso weißgekleidet waren und in das Gebäude eintraten. Aus der Kleidung der Eintretenden war deutlich ersichtlich, dass es sich um Bolivianer handelte. Ich sah den Tempel, der eines Tages in Bolivien gebaut werden wird. Die Missionare Wilson und Ball führten diejenigen, die sich bereitgemacht hatten, das Evangelium in der Geisterwelt zu empfangen, in den Tempel, um anwesend zu sein, wenn stellvertretend für sie die heiligen Handlungen vollzogen wurden. Dieser Traum hat mich sehr getröstet und mir geholfen, ihren Tod zu verstehen und zu akzeptieren.”

Dieser Blick, den Präsident Wright auf das Erlösungswerk jenseits des irdischen Lebens werfen konnte, steht in Übereinstimmung mit einer Vision, die Präsident Joseph F. Smith vor mehr als sieben Jahrzehnten zuteil wurde.

Er hat darüber gesagt: „Ich sah, dass die getreuen Altesten unserer, Evangeliumszeit nach ihrem Hinscheiden aus dem irdischen Leben mit ihrer Arbeit fortfahren, indem sie das Evangelium der Umkehr von Sünde und der Erlösung durch das Opfer des einziggezeugten Sohnes Gottes verkündigen . . . in der großen Welt der Totengeister.” (LuB 138:57)

Seit ihrer Gründung hat die Kirche immer mit Prüfungen und Drangsal zu kämpfen gehabt. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Die Hölle mag ihre Wut ausspeien wie der Vesuv oder der Atna oder der schrecklichste aller Feuerberge seine flammende Lava, und doch wird der ,Mormonismus‘ fest stehen. Wasser, Feuer, Wahrheit und Gott, das alles ist Wirklichkeit. Wahrheit ist ,Mormonismus‘. Gott ist der Urheber davon. Er ist unser Schild. Durch ihn ist es zu unserer Geburt gekommen. Durch seine Stimme sind wir zur Ausschüttung seines Evangeliums am Beginn der Fülle der Zeiten gerufen worden. Durch ihn haben wir das Buch Mormon erhalten, und durch ihn sind wir bis heute bewahrt geblieben, und durch ihn werden wir bewahrt bleiben, wenn es um unserer Herrlichkeit willen sein wird; und in seinem allmächtigen Namen sind wir entschlossen, die Drangsal wie gute Soldaten bis ans Ende zu ertragen.” (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 141f.)

Dieses Jahr haben bis jetzt mehr als 37000 glaubenstreue Missionare mitgeholfen, Zehntausende zur Erkenntnis der Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi zu führen. Diese neuen Mitglieder haben eine mächtige Wandlung im Herzen erlebt, „sie demütigten sich und setzten ihr Vertrauen in den wahren und lebendigen Gott” “> (Alma 5:13).

Dieses große Werk bringt natürlich zwangsläufig schwierige Situationen und Drangsal für unsere Missionare mit sich. Die Eltern eines Missionars sind sich immer der Gefahr bewusst, dass sie ihr Kind durch einen Unfall oder eine Krankheit verlieren können. Jetzt müssen wir auch den Terrorismus zu den Gefahren für unsere Missionare rechnen. Terrorismus hat es zwar schon seit Jahrhunderten gegeben, aber niemals ist er so offen und unverhüllt wie heute gewesen, und noch nie hat man darüber so ausführlich berichtet.

Der Terrorismus fordert viele Opfer – unschuldige, gesetzestreue Menschen, die in einem vom Terrorismus geschüttelten Land leben und sich bemühen, für ihre Familie zu sorgen und das zu tun, was richtig ist. Die Missionare leben inmitten der Menschen der Welt; und auch wenn sie unter dem Schutz der Mitglieder stehen, so kann es doch sein, dass sie schuldlos das Opfer einer Gewalttat werden. Wir dürfen die Angehörigen eines anderen Volkes nicht nach dem unverantwortlichen, feigen Verhalten weniger beurteilen.

Manchmal kommt es vor, dass Terroristen Mitglieder der Kirche oder Kircheneigentum angreifen, weil sie fälschlicherweise meinen, die Kirche vertrete die Interessen des betreffenden Landes. Das Gegenteil aber ist der Fall: Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage war noch nie mit der Regierung irgendeines Landes verquickt und ist es auch heute nicht. Das gilt auch für die Vereinigten Staaten. In aufrichtiger christlicher Freundlichkeit und liebevoller Sorge bieten die Missionare und andere Mitglieder der Kirche allen aufrichtigen, gesetzestreuen Menschen nicht mehr und nicht weniger an als das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi. Aus trauriger Erfahrung wissen wir, dass nicht alle Menschen diese Tatsache akzeptieren. Daher müssen sich die Führer der Kirche und die Mitglieder auf mögliche Ereignisse vorbereiten.

Die Konferenzbesucher, die im Tabernakel keinen Platz mehr gefunden haben, hören vom Tempelplatz aus über Lautsprecher zu; im Hintergrund sind das Verwaltungsgebäude der Kirche, der Tempel und das Tabernakel zu sehen.

Die Kirche wird in der Welt immer deutlicher sichtbar, und das bringt eine Vielzahl schwieriger Aufgaben mit sich. Und dennoch: Die zukünftigen Missionare und ihre Eltern haben keinen einzigen Grund zur Angst und zur Befürchtung, eine Mission könne ungewöhnlich gefährlich oder riskant sein. Die Aufzeichnungen seit 1981 belegen, dass die Gesamtzahl der Missionare, die durch einen Unfall, eine Krankheit oder aus einem anderen Grund zu Tode gekommen sind, sehr gering ist. Das Leben, das ein Missionar vor und während seiner Mission führt, ist seiner Gesundheit und Sicherheit zuträglich. Die Todesrate der jungen Missionare aus den Vereinigten Staaten, die überall auf der Welt Missionsdienst leisten, beträgt nur ein Fünftel der Todesrate vergleichbarer junger Männer in Utah. Und verglichen mit der Todesrate junger Männer im vergleichbaren Alter in den gesamten Vereinigten Staaten beträgt sie sogar nur ein Siebtel. Ich will damit nicht sagen, dass eine Mission ein langes Leben garantiert, sondern nur, dass das Risiko zu sterben für einen Missionar weitaus geringer ist als für andere junge Männer im vergleichbaren Alter.

Die Kirche gibt sich große Mühe, die Gesundheit und Sicherheit ihrer Missionare zu gewährleisten, indem sie dafür sorgt, dass Krankheit und Unfall so gut wie möglich ausgeschlossen werden. Im vergangenen Jahr haben hochqualifizierte Ärzte, die der Kirche angehören, viele Missionen in den Entwicklungsländern besucht und wichtige Empfehlungen gegeben, die die Kirche übernommen hat, damit die Missionare gesünder bleiben. Wir tun alles in unserer Macht Stehende – und werden das auch weiterhin tun – um alle Gefahren für unsere Missionare auszuschalten. In einer Welt jedoch, in der die Menschen Entscheidungsfreiheit haben, kann die Kirche nicht jede Gefahr ausschließen und keine absolute Garantie dafür geben, dass ein Missionar niemals krank oder verletzt wird.

Die Missionarsabteilung beschäftigt sechs ehemalige Missionspräsidenten, die rund um die Uhr bereitstehen, um den Missionspräsidenten und ihren Missionaren zu helfen. Sie reagieren sofort und haben alle Mittel der Kirche zur Verfügung, um das Wohlergehen der Missionare und ihrer Angehörigen zu gewährleisten.

Wenn Schwierigkeiten auftreten, wie beispielsweise kürzlich die Unruhen in Kolumbien, beobachten die Erste Präsidentschaft und der Rat der Zwölf mit Hilfe der jeweiligen Gebietspräsidentschaften die Lage täglich und, bei Bedarf, auch stündlich.

Sie können sicher sein, dass die Sicherheit und der Schutz der Missionare immer unser wichtigstes Anliegen ist. Die Kirche darf sich aber dennoch nicht aus den Gebieten zurückziehen, in denen es Unruhen gibt, es sei denn, das ist unumgänglich. Brüder und Schwestern, der Herr hat uns aufgefordert, zu allen Völkern zu gehen und alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen (siehe Matthäus 28:19), und das ist eine schwierige Aufgabe.

Der Kampf, Seelen zu Christus zu bringen, hat bereits in der vorirdischen Welt begonnen, und zwar mit dem Kampf im Himmel. (Siehe Offenbarung 12:7.) Dieser Kampf geht auch heute weiter, nämlich im Streit zwischen richtig und falsch und zwischen dem Evangelium und falschen Grundsätzen. Die Mitglieder der Kirche stehen im Ringen um die Seele der Menschen an vorderster Front. Die Missionare befinden sich sozusagen auf dem Schlachtfeld; sie kämpfen mit dem Schwert der Wahrheit, um den Völkern der Erde die herrliche Botschaft von der Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi zu bringen. Aber noch nie ist ein Kampf ohne Gefahr gewesen. Die Prophezeiungen bezüglich der Letzten Tage haben in mir die Überzeugung geweckt, dass in Zukunft noch intensiver um die Seele der Menschen gekämpft wird und dass die Gefahren immer größer werden, je mehr das Zweite Kommen des Herrn heranrückt.

Damit wir uns und unsere Familie für die Anforderungen der kommenden Jahre bereitmachen, müssen wir Furcht durch Glauben ersetzen. Wir müssen lernen, die Furcht vor den Feinden zu überwinden, die sich uns entgegenstellen und uns bedrohen. Der Herr hat gesagt: „Darum fürchtet euch nicht, ihr kleine Herde; tut Gutes; lasst die Erde und die Hölle sich gegen euch verbinden, denn wenn ihr auf meinem Felsen gebaut seid, können sie nicht obsiegen.” (LuB 6:34)

Als ich unmittelbar nach dem schrecklichen Ereignis mit Missionaren in Bolivien, Peru und Ekuador sprach, war ich tief beeindruckt von der Liebe, die sie dem Volk entgegenbringen, das zu belehren sie berufen sind. Ihr Wunsch, den Menschen in ihrer Mission auch weiterhin zu dienen, war so stark, dass er sich nicht in Worte fassen lässt. Manchmal äußern Eltern und andere Angehörige verständlicherweise Sorgen und Angst und fürchten um die Sicherheit ihres Sohnes beziehungsweise ihrer Tochter, aber nur ganz selten, wenn überhaupt, äußern die Missionare selbst derartige Bedenken. Sie lieben die Menschen sehr, denen sie dienen, und im allgemeinen möchten sie den Dienst für den Herrn fortsetzen. Diese engagierten Missionare zeigen uns anderen deutlich: „Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht.” (1 Johannes 4:18.)

In vielerlei Hinsicht sind die letzten sechzig Jahre für die Kirche sehr ruhig verlaufen, verglichen einmal mit den Anfängen der Wiederherstellung. Es hat kaum Verfolgung und Drangsal gegeben. Vielleicht trägt das, was sich vor kurzem ereignet hat, dazu bei, dass wir stark werden und lernen, uns den Weg zu bahnen und nicht vor der Aufgabe zurückzuschrecken, allen Völkern der Erde das Evangelium zu predigen.

Wir Eltern müssen früh damit beginnen, in unseren Kindern ein festes, brennendes Zeugnis vom Evangelium zu erwecken. Wenn wir weiterhin das Gottesreich auf der Erde aufbauen wollen, müssen wir den Glauben, den Mut und das Pflichtgefühl entwickeln, das unsere Vorfahren besessen haben.

Denken Sie auch daran, dass man als Mitglied den Grundsatz verstehen muss, alles für den Dienst des Herrn zu opfern. Der Prophet Joseph Smith hat das folgendermaßen ausgedrückt: „Wenn ein Mensch um der Wahrheit willen alles geopfert hat, was er besitzt, und selbst sein Leben nicht zurückhält, und wenn er vor Gott glaubt, dass er zu diesem Opfer berufen worden ist, weil er danach trachtet, den Willen des Herrn zu tun, . . . dann kann er den Glauben erlangen, der notwendig ist, damit er Anspruch auf das ewige Leben erheben kann.” (Lectures an Faith, 1985, Seite 69.)

An Mr. John Wentworth, den Herausgeber der Zeitung „Chicago Democrat”, hat der Prophet Joseph Smith folgendes geschrieben: „Das Banner der Wahrheit ist errichtet; keine unheilige Hand kann dem Werk Einhalt gebieten; mag auch Verfolgung wüten, mag der Pöbel sich zusammenrotten, mögen Heere sich zusammenscharen, mag Verleumdung anklagen – Gottes Wahrheit wird vorwärtsschreiten, kühn, edel und unabhängig, bis sie jeden Kontinent durchdrungen, jeden Landstrich erreicht hat, über jedes Land hinweggefegt und in jedes Ohr geklungen ist, bis Gottes Absichten vollbracht sind und der große Jahwe sagen wird: Das Werk ist getan.” (History of the Church, 4:540.)

Der Herr hat noch nicht gesagt, dass das Werk getan sei, deshalb müssen wir weiter vorwärtsschreiten. Es ist gut zu wissen, dass während der vier Jahre, seit Präsident Ezra Taft Benson über die Kirche präsidiert, mehr als achtzigtausend Missionare eingesetzt worden sind, die gute Nachricht von der Wiederherstellung zu verkündigen.

mormon-church-missionaryDas Werk wird auch weiterhin wachsen und auf der Welt zunehmen. In den vergangenen Jahren haben die Knechte des Herrn die Tür aufgetan und das Werk in der DDR, in Polen, in Ungarn und in Jugoslawien begonnen. Sie haben viele afrikanische Länder geöffnet, beispielsweise Nigeria, Ghana, Zaire, Liberia, Sierra Leone, Swasiland, Elfenbeinküste, Namibia und Papua Neuguinea. Dreizehn Länder und Territorien sind in den vergangenen vier Jahren geöffnet worden, und viele andere werden noch der Evangeliumsverkündung geöffnet werden. ‘Es ist wahrhaft so: Keine unheilige Hand kann dem heiligen Werk der Verkündigung von Leben und Errettung für alle Menschen und Völker Einhalt gebieten. Aber ohne Schwierigkeiten und Gefahren wird das Werk nicht weitergehen.

Die Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi in aller Welt erfördert Erkenntnis, Glauben, Opfer und das Bemühen eines jeden einzelnen Mitglieds. 1842 hat der Prophet Joseph Smith den Mitgliedern in Nauvoo gesagt: „Sollen wir in einer so großartigen Sache nicht vorwärtsgehen? . . . Mut, und auf, auf zum Sieg!” (LuB 128:22) Heute gen die Führer der Kirche Ähnliches.

Brüder und Schwestern, die Missionare brauchen unseren Glauben und unsere Gebete. Beten Sie jeden Tag inbrünstig für ihre Sicherheit und ihren Schutz, denn das ist eine sehr wichtige Möglichkeit, wie wir ihnen helfen können, ihre dringende Aufgabe zu erfüllen, nämlich aller Welt das Evangelium zu verkündigen. Ich gebe Zeugnis, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Wir arbeiten in seinem Werk. Ich gebe Zeugnis, dass wir dieses große Werk durch den Glauben und die Gebete aller Mitglieder zum schließlichen Sieg führen werden. Im Namen Jesu Christi. Amen

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